Fast entsteht das Bild in mir, dass sich alle Bäume des Bayerischen und des Böhmerwaldes gemeinsam im Wind derzeit etwas verneigen, vor dem großartigen Günther Hannes, der ein großer Freund
unserer Landschaft war, ein HEIMAT-Freund, der über 18 Jahre seine ganze Kraft, Energie, seinen Ideenreichtum, seine Schaffensfreude investiert hat, um wiederum Freunde - auch im Bayerischen
Wald-Verein - dafür zu gewinnen. Einheimische wie Touristen. Günther Hannes war ein Mensch, den man mit Ideen infizieren konnte. Was für erfolgreiche Aktionen hat er geplant und auch umgesetzt:
aktive Mitgliederwerbung, Vereinsreform, Vorweihnacht im Woid, Ariensingen wieder beleben, Ukraine-Kindertag, Schachtenpflege, Erhaltung der Wanderwege, Pflege der Bayerischen Sprache,
Waldheimat-Preis, um nur das Wichtigste zu nennen. Auch gegen Widerstände war Günther Hannes gewappnet, bahnte einen erfolgreichen Weg in ein positives, dennoch auch kritisches Verhältnis zum
Nationalpark Bayerischer Wald. Umweltgedanken waren ihm nicht fremd, mit meiner Frau Elisabeth – oft ganz alleine - stürzte er sich in die Bekämpfung der nicht ansässigen Pflanzenarten. Die
Vereinshefterl gestaltete er natürlich selbst am PC, in Farbe und guter Druckqualität - kämpfte erfolgreich gegen Druckereigenwilligkeiten, plante Programme und Vereinsreisen, stärkte die Kontakte
zur Politik und zu anderen Vereinsoberen. Und natürlich sammelte er auch Spenden für die Kirche. Sein Arbeitsgerät war die Kamera, und so schoss er tausende von Fotos, die nun in irgendeiner Cloud
liegen, und er mag vielleicht selbst auf der Wolke sitzen und sie im Nachhinein noch einmal anschauen. Immer hatte er ein Lachen, einen Wortwitz, ein Gschichterl, einen Tipp parat, auch ein
wandelndes Waldlexikon war da unterwegs, mit Pflanzen, Pilz- und Vogel-Kenntnissen. Und der Blick und der Kontakt zum Nachbarn Tschechien lag ihm immer am Herzen.
In tiefer Trauer und großer Dankbarkeit nehmen wir Abschied von unserem Ehrenvorsitzenden, Günther Hannes, einem Wald-Vereins-Urgestein, der für immer von uns gegangen ist. Er war eine solch
prägende, starke, einsatzfreudige Persönlichkeit für die Region und den Verein, die Sektion Lindberg-Falkenstein, den er als Erster Vorsitzender mit unerschöpflichem Engagement, Mut, Tatkraft und
Geduld geleitet hat. Mit seinem Verständnis für neue Vereinsentwicklungen und die Möglichkeiten des Internets steigerte er die Mitgliederzahlen, auf über 500 und fast 200 000 Menschen haben
inzwischen die Website besucht. Heimatpflege, Förderung der Kultur, die gemeinsamen geselligen Vereinsrunden und den Schutz der Traditionen und der Heimat des Bayerischen Waldes lagen ihm am Herzen.
Touristen waren für ihn keine Fremden. Er wusste zu begeistern, er konnte fordern, aber eben, weil er selbst auch förderte und einlöste, notfalls auch ganz und gar alleine, wenn er von einer Sache
überzeugt war. Die Schachtenpflege und die Ruhebank-Aktionen gehen auf sein Konto. Ohne ihn wären die Schachtenwiesen zugewachsen, eine Aktion, die im Herbst viele Mitstreiter gefunden hat, dass fast
vergessen ist, wer sie dereinst ins Leben gerufen hat. Die Verleihung des Lindberger Waldheimat-Preises lag ihm ebenso am Herzen wie die Musikanten des Bayerischen Waldes. Im September 2025 wurde er
feierlich zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Kein Ruhekissen war das für ihn, er stand auch weiterhin mit Rat, Tat und Engagement dem Verein zur Seite. In Gedanken sind wir bei seiner Ehefrau Herta, ohne
deren tatkräftige Unterstützung er niemals das hätte leisten können, was er geleistet hat. Unser tief empfundenes Beileid. Und zu guter Letzt war Günter Hannes auch immer für einen frech-freudigen
Spruch gut. Und so rufen dir deine Vereinsfreunde, die dich sehr, sehr und für immer vermissen werden zu: „Hilfe, Rettung, Feuerwehr!“ Noch nie hat dieser Spruch von ihm so gut auf die jetzige
Situation gepasst. Günter, wir sagen Adieu. RIP!
Von Norbert Schreiber
Wenn der Woidler den Bayerwaldblues hat, tief drinnen in seiner Seele, herrscht da dann ein etwas seltsames Gefühl zwischen sich elend fühlen und himmelhoch
jauchzend vergnügt.
Dann gibt es zwei Möglichkeiten, entweder der Bayerwoidler singt das Lied vom “Weltverdruss” und versinkt damit noch tiefer ins Elend der Welt oder, damit die
Stimmung wieder besser wird, ertönt die Bayerwaldhymne “Der Woid is schee.”
Variante 1 Elend
I hab koan Muater mehr,
und a koa Vater mehr,
koa Schwester, Bruader
und koan Freund.
Bin ein verlassnes Kind
so wi da AlmaWind,
i bin der Weltverdruss,
so hams mi gnennt.”
Variante 2 Lebensfreude
Mir san vom Woid dahoam
Mia san vom Woid dahoam, des kennt a jeder glei,
wann 's von den Bergen hallt, do san ja mia dabei
und wo des Stutzerl knallt, do san ja mia um d' Weg,
mia san vom Woid dahoam, da Woid is schee.
Es ist immer ein Schwanken zwischen tief empfundener Melancholie, rasender Traurigkeit und lähmender Niedergeschlagenheit, wenn es um die ausgeprägteste Form
geht. Dann klingt es so traurig wie wenn Amerikaner singen “I feel blue, oder besser I feel BLUES.
In der Veriante “...is schee…” gehts dann “scherzend, lustig bewegt” “scherzando” oder stürmisch “forte” oder eben nur heiter “sereno” zu, wie es in der
Musiksprache heißt. Diese Auf- und ab-der-Gefühlswelten, am ehemaligen Grenzzaun zwischen Ost und West gelebt, hat der Autor und Politikwissenschaftler Alexander Straßner lebensnah, auffallend
ehrlich und offen, mit viel Humor auch melancholisch als eine einzige Liebeserklärung formuliert, die auf fast 300 Seiten nicht nur der Geschichte eines Gefühls und einer Kindheit nachspürt, sondern
auch einen gesamten Landstrich im hintersten Winkel des Bayerischen Waldes, abgeschieden liegend aber paradiesisch porträtiert; von Feriengästen heimgesucht, die auf die Waldler treffen, die ihre
“unverhandelbare Originalität”, also ihre spezielle Eigenart behalten haben.
Wenn sie diese Rezension lesen, lassen sie Vorsicht walten, denn ich bin der Nachbar von diesem Wirtshaus, von dieser Familie, und so könnte es durchaus sein,
dass mein Blick von meinem Fenster aus auf das turbulente Leben dieser Kindheit von Alexander Straßner etwas subjektiv gefärbt ist. Ich bemühe mich aber auch um Ehrlichkeit, wie der Autor
selbst.
Der Menschenschlag in dieser Landschaft, zwischen grün bewaldeten Bergen, harten Wintern in eisiger Abgeschiedenheit lässt in sich ein Lebensgefühl von Grant und
Wurschtigkeit entstehen, die Menschen sind maulfaul, lassen auch das Boshafte raus, nennen ihre Gäste Fremde, leben innig verbunden mit der zuweilen brutalen Natur, die Gewitter erzeugen kann, dass
einem wirklich angst und bange wird.
Die Waldler gehen gerne in die Pilze, sammeln stundenlang Waldfrüchte, verarbeiten sie zu Marmeladen und hegen ansonsten, trotz intensiver Naturverbundenheit,
einen gewissen bayerischen Urgrant gegen alles ökologisch grün Gefärbte oder politisch von außen Aufgedrückte. Etwa Nationalparke! Der Woidler ist Freigeist.
Im einst verschlafenen Walddorf Spiegelhütte ist der Autor aufgewachsen, im direkten Schatten der zweithöchsten Erhebung des Bayerischen Waldes, des Großen
Falkensteins.
Nicht weit weg von der ehemaligen tschechischen Grenze erlebte Straßner eine Kindheit in einer turbulenten Touristenpension, die später zu einem allseits
beliebten Wirtshaus wurde, in dem es legendäre bayerische Speisen gab, so zubereitet von der Mutter Anneliese Straßner, dass alle beim Zahlen sagten: “Mei woar des guat!”
Das sollte als äußerster Ausdruck eines wohlgemeinten Kompliments heißen, dass da so gekonnt gekocht wurde, wie zu Uromas Zeiten.
Die Kehrseite der Medaille war, dass es einem Kind zwischen diesem Touristengschwerl, wie der Autor schreibt, oftmals befremdlich wurde, komisch vorkam oder
auchabsolut schockierte. Zum Beispiel, wenn der Alkohol in Strömen fließt. Und geschnapselt wurde.
Dabei entsteht in der Erinnerung ein seltsames Paradoxon, was der Autor früher lustig fand oder großartig, befremdet ihn heute, was abstoßend war, interessiert ihn nun.
So schreibt Straßner intensiv, klar, wortgewandt eine kleine Milieugeschichte der Woidler, die im Zwieseler Winkel in einem Waldmeer leben, in einem ehemaligen
Glasmacherdorf, in der Nähe der „Jungmaierhütte“ und dem Hirschgehege “Scheuereck”. Dieses Buch gehört zur Memoir-Literatur: es sind schriftliche Lebenserinnerungen, in denen eine Person ihre
Erlebnisse und Erfahrungen aus der Vergangenheit festhält für die Nachwelt.
Das alles ist eine eigene Realität, ein ureigener Kosmos, ja sogar mit eigener Wetterlage, speziell nur über dem Himmel des Dorfes. Mal Sonnenschein über den
Häusern und rundherum dunkle Gewitterwolken, oder umgekehrt.
Mal schlägt der Blitz ein, Vater Mutter und Kind liegen am Boden, wundern sich über die Allmacht der Elektrizität, stehen wieder auf und mit einem Stamperl
“Bärwurz” werden die strapazierten Nerven wieder zurechtgerückt.
Die Einheimischen wehren sich gegen die Einordnung, sie seien schlimmste Provinzlinge, und machen dem Touristen oft genug klar, dass er sich nach seinem
Aufenthalt im Wald auch bald wieder schleichen soll, denn “Mir san mir” und “mir bleiben aa soo, so wie mir san.” Man könnte es als „konservativ” bezeichnen, andere nennen es “die
fortschrittlichste Lebensart, die möglich ist…
“Man bekommt den Woidler zwar aus dem Wald, aber den Woid niemals aus dem Waldler.”
Straßner beschreibt diesen Menschentypus als einerseits geistreich, andererseits aber auch derb im Humor, von einer seltenen Hinterfotzigkeit, die Urgestalten
sprechen eine bildreiche Sprache, die oft genug der Fremde nicht versteht, weil er eben der Fremde ist und bleibt, mit einem bunten Sammelsurium verbaler und meist lautetmalerischer Gemeinheiten
konfrontiert, die das Gegenüber, der “Preiß” oftmals eher als Liebeserklärung missversteht, denn als handfeste Beleidigung.
Der Woidler ist nicht redselig, sondern eher maulfaul. Aber wenn nicht, dann immer direkt raus!
Wir schauen mit dem Autor gemeinsam in die heimische Küche, dort wo sich auch die bayerischen Fernsehköche sicher wohl gefühlt hätten, denn da gab es original
einheimische Speisen nicht nach betriebswirtschaftlichen Kostenrechnungen gekocht. Die Straßnerin kochte “pi mal Daumen”, also alles frei Schnauze, aber stets erfolgreich, aber immer mit böhmischen
Knödeln. Auch die Zwetschgen- oder Marillenknödel und die berühmten Buchteln mit Vanillisoße machten den durch Wanderungen oder Skifahrten abtrainierten Speck wieder zu einem Feedback Phänomen. Dann
brachte es einen „Werner“, den Forsthaus-Stüberl-Geist.
Wenn ich irgendwem erklären musste, wo ich wohne, musste ich nur sagen, gegenüber der Straßnerin, woaßt schoo, die Schweinsbraten-Straßnerin. Das
reichte.
Der Straßner war das Gegenteil von Gleichmut, der etwas leicht reizbar war, politisch gerne zum Streit aufrief, sensibel wie ein Erdbeben- Seismograph, von
überschäumender Sentimentalität geprägt, geistreich argumentierend, aber zuweilen auch cholerisch oder mürrisch missgelaunt.
Das alles erzählt Sohn Straßner sehr, sehr offen und liebevoll. Der Autor macht das heimische Brauchtum fleißig mit: das “Wolfsauslassen”, das “Ratschen” und das
“Christkind Einsingen”, und so wird nach und nach der Bayerische Wald ihm wirklich zum zu Hause, was der Autor aber erst in der Fremde für sich endgültig entdeckt.
Als Politikwissenschaftler geht er an die Unis nach Passau, Regensburg, Wien und Zürich und spürt dort, dass das Dorf Spiegelhütte mit dem einfachen Leben und der
Herzenswärme der Menschen dann doch seine wirkliche und endgültige Heimat ist.
So ganz nebenbei erzählt der Politikwissenschaftler, der mit dem Fan-Schal des VfB Stuttgart auch seine Fußballfreude zeigen kann, den inneren Betrieb der
Verwaltungsakte in den Hochschulen, denn da geht es nicht nur um Forschung und Vorlesung, sondern vor allem um verschultes Lernen.
Zwar empfindet der Autor die freie Einteilung der Arbeitszeit eines Professors, mit exzessiven Freiräumen und gutem Gehalt als etwas Schönes, aber er erzählt auch
humorvoll, dass ihm die Gremiensitzungen eine Qual sind, dass die akademische Lehre manchmal keine Qualität mehr produzieren kann und die Studenten gerne Ihre Kreativität in die Erfindung von
Ausreden investieren, wenn sie zu Vorlesungen nicht kommen oder ihre Hausarbeiten nicht rechtzeitig abgeben können oder wollen.
Man hört diesen Bayerwald Blues buchstäblich, wenn man Zeile um Zeile liest, und so kann ich dem Autor und allen Lesern nur bescheinigen, dass mit der Schließung
dieses wunderbaren Wirtshauses, mit seinen Stammtischen, musikalischen Treffen, Erzählungen von Bayerwaldgeschichten, Witze-palaver-runden, ein wirklicher, echter, wahrhafter Kulturverlust
einhergeht, eben seit die Wirtshaustüren aus Altersgründen endgültig geschlossen wurden und auch, weil der Autor mit Familie und Kindern inzwischen eine neue größere Heimstatt brauchte.
So empfinde auch ich als pfälzischer Preuße, Nachbar und Freund der Familie den “Bayerwaldblues” genauso wie der Autor selbst, der nicht besser zusammengefasst
werden kann als in zwei bayerischen Sprüchen, natürlich in Mundart: „Aus is und gor is, und schod iis, dass wohr iis“. Und „Des iis a bissl wia Sterbn!“ Da haben wir ihn wieder den “Waldverdruss”.
Wird Zeit, dass wir anfangen zu singen: “Der Woid iss schee.”
Die Wald-Vereins-Sektion Lindberg-Falkenstein begeistert mit dem Adventsingen und –musizieren
Die Wald-Vereins-Sektion Lindberg-Falkenstein lädt seit 1989 im jährlichen Wechsel in die Pfarrkirchen von Lindberg und Ludwigsthal ein, um im Rahmen der „Vorweihnacht im Woid“ die Besucher in
die Adventszeit hinein zu begleiten. Und es hat auch nicht ein bisschen von seinem Glanz verloren, denn das, was von den Musik- und Gesangsgruppen an diesem Sonntag-Abend an Qualität und
Einfühlungsvermögen dargeboten wurde, sollte nicht leicht zu überbieten sein.
Viele der Besucher konnten sich der Gänsehaut nicht erwehren, als die Eisensteiner Weisenbläser vom Chor herab ihre Instrumente gefühlvoll ertönen ließen und damit die Vorweihnacht im Woid
eingeläutet haben.
Michael Graßl, Kulturreferent des Vereins, hat sechs hervorragende Musik- und Gesangsgruppen sowie Ossi Heindl für den heutigen Auftritt ermuntern können und ihnen einen geordneten Ablaufplan
vorgegeben. Darin enthalten war auch ein Grußwort von Pfarrer Armin Riesinger. Wenngleich dieser jetzt noch gar nicht wissen konnte, wie intensiv sich die Interpreten heute ins Zeug legen würden,
sprach er dennoch schon den Dank an alle aus, sind sie doch diejenigen, die auf die Ankunft Jesus Christus einstimmen werden. An alle: Eine friedvolle vorweihnachtliche Zeit!
Franz Winter, Vorsitzender des veranstaltenden Vereins, wünscht sich, dass sich die Menschen aus der übermäßigen Geschäftigkeit zurückziehen sollten und sich vielmehr für Frieden und
Gemeinschaft einsetzen würden. Sein Dank richtet sich an die Organisatoren Michael Graßl und Kurt Hackl, die Wald-Vereins-Frauen für die Kirchen-Deko , Herta Hannes für die Gestaltung der
Einrittsandenken, den Maßnerinnen Karin Tröger und Josefine Fischer für ihre tatkräftige Unterstützung, Herrn Pfarrer für die selbstlose Überlassung des Gotteshauses und seines Besuches sowie dem
Publikum für sein Kommen und seine Spende zugunsten des Gotteshauses.
Jetzt aber wird das Gotteshaus erschallen in Musik und Gesang. Die Eisensteiner Weisenbläser läuten den bunten Reigen ein, gefolgt vom Kirchenchor Lindberg, der unter Leitung von Gerhard Stich
„Sieh, eine helle Stimme erklingt“ zum Besten gibt. Wohltuend kommen auch die nachfolgenden Lieder, auf der Orgel begleitet von Adrian Kreuzer, „Der Engel des Herrn“ sowie „Advent is a Leuchtn“,
an.
Die Auerer Hausmusi, besetzt mit Zither, 2x Hackbrett und Gitarre, glänzt heute mit „A staada Landla“, „Auf Weihnachtn zua“ und „`s Krippal im Woid“. Diese wunderschöne Musik wirkt entspannend
und erleichternd auf den Zuhörer, wozu sicherlich auch die beiden Hackbretter, die heute aus der Mode zu kommen scheinen, beitragen.
Drei Sängerinnen, begleitet von einem Akkordeonspieler, bilden den Rai-Gsang. Was heute den Kehlen dieser drei Damen entsprungen ist, wäre nicht mehr zu toppen, haben einige Zuhörer nach der
Veranstaltung zum Verstehen gegeben. Wirklich, es war ein Ohrenschmaus! Die Titel ihrer Lieder: „A Liacht“, „Büabele“, „Maria, sei gegrüßt“ und „Adventsjodler“.
Auch der Riesberg-4-Gsang, den der Graßl Mich kürzlich aus der Taufe gehoben hat, hat sich mächtig ins Zeug gelegt und zwar mit den Liedern „Iatz kimmt dö staade Zeit“, „Votramt und voschlofa“,
„Ich wachte im Tal“ und dem „Adventsjodler“.
Was wäre wohl eine Vorweihnacht im Woid ohne dem Auftritt des Männergesangsvereins Zwieselau? Unvorstellbar! Diese gstandnen Mannsbilder sind von Anfang an dabei, und mit Fritz Maurer ist auch
der Dirigent immer noch derselbe. Sie haben dem Publikum geschmeichelt mit „Stehts af, meine Buama“, „In Nacht und Dunkel“ und „Hört, es klingt vom Himmelszelt“.
Recht gespannt war das Publikum auf den Sprecher der Veranstaltung, bestens bekannt als erfolgreicher Krimi-Autor, Ossi Heindl. Da war alles enthalten, was an Gedanken zur Adventszeit
weitergegeben werden konnte. Vieles davon aus eigener Feder. Und alles derart vorgetragen, dass er das Publikum völlig in seinen Bann gezogen hat. Er hat sich auch nicht davor gescheut, Unglaubliches
als wahre Begebenheit hinzustellen und das Publikum in Heiterkeit zu versetzen. Nämlich, dass wir eigentlich vier Hl. Dreikönige hätten, wenn nicht der Vierte, ein Mann aus Böhmen, dessen Name nur
von der dortigen Bevölkerung richtig ausgesprochen werden könnte, wegen der weiten Reise über die Alpen verspätet in der Nähe von Bethlehem, wo die anderen drei Könige schon sehnsüchtig auf ihn
gewartet haben, eingetroffen ist. Die Rüge der wartenden Dreiergruppe hat ihn dermaßen verärgert, dass er das Weite gesucht hat und wir uns mit den Hl. Dreikönigen begnügen müssen. In seinen
Abschlussworten, allerdings, da hat Ossi dem Publikum noch Hoffnung auf eine gute, friedvolle Zeit mit auf den Nachhauseweg geben können.
Jetzt aber, zum Schluss, da waren die zahlreichen Besucher gefordert, indem sie aus voller Brust und mit Unterstützung aller Musiker das Lied „Macht hoch die Tür“ gesungen haben und danach mit
einem lang anhaltenden Applaus den Akteuren ihren Dank ausgedrückt haben.
gh, Günther Hannes
Lindbergmühle. Zahlreiche Menschen aus der Ukraine, vor allem Frauen und Kinder, sind vor dem vor dem russischen Angriffskrieg aus ihrer Heimat geflohen. Auch im Landkreis Regen leben viele
Flüchtlinge, die zwar jetzt in Sicherheit, aber zugleich oft in großer Sorge um Angehörigen sind. Die Kinder leiden am meisten, sie haben ihre Väter zurückgelassen und müssen in einem fremden Land
zurechtkommen. Speziell ihnen wollte die Sektion Lindberg-Falkenstein des Wald-Vereins am vergangenen Wochenende eine Freude bereiten – und das ist gelungen.
Die Wald-Vereinler veranstalteten für die ukrainischen Mädchen und Buben einen Kindertag mit einem bunten Reigen an gemeinsamen Aktionen. Höhepunkt des Tages war das Schmücken und Aufstellen eines
bayerisch-ukrainischen Maibaumes. Sogar die Bürgermeister aus Lindberg, Zwiesel und Regen unterstützten die Veranstaltung.
Norbert Schreiber aus Spiegelhütte engagiert sich, wie viele andere auch, in der Ukrainehilfe und kennt die Nöte der Familien. Er überlegte was er für die Kinder tun könnte, um sie ein bisschen
aufzuheitern. Das Ergebnis war ein Kindertag mit einem abwechslungsreichen und fröhlichen Programm.
Dazu braucht es freilich viele Helfer, wie die Flüchtlingsbetreuerin Mariia Acanfora, die mit den Kommunen das Gespräch suchte und Einladungen über die Schulen regelte. Und natürlich brauchte es
die Waldvereinssektion Lindberg-Falkenstein, die bei solchen Aktionen immer ein verlässlicher Partner ist.
Nach der Ankunft der Familien auf dem Vereinsgelände in Lindbergmühle durften die Kinder mit Jugendleiterin Sonja Steiner Traumfänger und Bilder mit Naturmaterialien basteln. Auch die Mütter
beteiligten sich und alle hatten sichtlich Freude an ihren geschaffenen Arbeiten. Nachdem man sich Bratwurstsemmeln hatte schmecken lassen, war es an der Zeit, den Maibaum abzuholen.
Hermann Ganserer aus Oberlindbergmühle hatte den Baum gestiftet und transportierte ihn auch noch mit dem Bulldog zum Vereinshüttl. Begleitet wurde er von der Kindertanzgruppe des Heimatvereins
Lindberg und dem Musikerduo „Mich und Herm“. Die Kinder durften die Kränze und den Gipfel des Maibaums mit bunten Bändern und gemalten Schildern schmücken.
Bevor der Baum aufgestellt wurde, begrüßte Sektionsvorsitzender Günther Hannes neben den zahlreichen Gästen besonders den Lindberger Bürgermeister Gerd Lorenz und seinen Amtskollegen Karl-Heinz
Eppinger aus Zwiesel. Hannes dankte Mariia Acanfora, die übersetzte, und allen, die zum Gelingen des Tages beitrugen. Er erklärte den Gästen das Brauchtum des Maibaumaufstellens und meinte: „Unser
bayerisch-ukrainischer Maibaum soll für Frieden und Freiheit auf der ganzen Welt stehen. Die bunten Bänder zeigen die Vielfalt der Völker und den Wunsch, dass alle ohne Angst leben
können.“
Bürgermeister Gerd Lorenz hieß die Familien ebenfalls herzlich willkommen. Der Maibaum sei ein Zeichen für Freude und ein Willkommensgruß an den Frühling. „Mit dieser Veranstaltung soll den
ukrainischen Familien ein kleines Stück bayerischer Tradition vermittelt werden“, sagte Lorenz. Er dankte Günther Hannes und Norbert Schreiber sowie allen Unterstützern für diese tolle
Aktion.
„Wir haben die Veranstaltung gerne unterstützt, genauso wie die Kollegen aus Regen und Lindberg“, betonte Zwiesels Bürgermeister Karl-Heinz Eppinger. Es sei für den Frieden in Europa wichtig, dass
sich bayerische und ukrainische Kinder kennenlernen und miteinander spielen.
Danach tanzte die Kindertanzgruppe des Heimatvereins Lindberg und erhielt viel Beifall. Mit vereinten Kräften brachten die Männer den Maibaum schließlich in die Senkrechte, unterstützt von den
beiden Bürgermeistern. Mit einem Elfmeterschießen sowie einem Lagerfeuer bei dem die Kinder Würstel am Steckerl grillten, ging der Nachmittag zu Ende. Bevor die Familien den Bus bestiegen, sangen die
Kinder als Dank für den schönen Tag ukrainische Lieder aus ihrer Heimat.
Bericht: Gerti Menigat in der PNP